Die Stärke von Assetto Corsa EVO liegt nicht darin, Autos unnötig schwer fahrbar zu machen. Reifen, Fahrwerk und elektronische Regelsysteme werden vielmehr direkt über die Fahrbewegungen spürbar. Nachdem ich mehrere Versionen fortlaufend getestet habe, sind neben dem schon früh überzeugenden Fahrverhalten durch Updates auch Fortschrittssystem und Fahrzeugauswahl gewachsen. Eine noch in Entwicklung befindliche Version kann ich bei Stabilität und Umfang allerdings nicht nach denselben Maßstäben wie ein fertiges Spiel bewerten. In diesem Artikel bündele ich den Vergleich mit GT7 unter gleichen Bedingungen, Testfahrten mit neuen Fahrzeugen und die Prüfung der Beta-Version, um die derzeit erkennbaren Stärken und Punkte zur Vorsicht einzuordnen.
- 1. Meine Einschätzung in 30 Sekunden
- 2. Beim Reifenmodell zählt vor allem die Phase vor dem Rutschen
- 3. Die Umsetzung elektronischer Regelsysteme macht Fahrzeugvergleiche spannend
- 4. Die Lenkrad-Einstellungen verändern die Bewertung deutlich
- 5. Stärken und Schwächen gegenüber GT7
- 6. Für wen es geeignet ist
- 7. Für wen es nicht geeignet ist
- 8. Fazit
- 9. Videos als Grundlage
- 10. Als Nächstes lesen
Meine Einschätzung in 30 Sekunden
Assetto Corsa EVO gehört nicht zu den Spielen, die ein leicht ausbrechendes Auto einfach als realistisch verkaufen. Beim GR86 verändern die Fahrmodi die Reaktion auf das Gaspedal und die Stabilität des Fahrzeugs; bei älteren Sportwagen zeigt sich, dass Reifen und Chassis anders anspruchsvoll sind als bei modernen Autos. Nicht „schnell ist schwer“ oder „alt macht mehr Spaß“ ist hier die einfache Hierarchie. Die größte Besonderheit ist, dass EVO den konstruktiven Charakter des jeweiligen Autos in die Fahrweise übertragen will.
Wer als Sim-Racing-Einsteiger sofort Rennen fahren und Fahrzeuge sammeln möchte, findet in GT7 dank des hohen Reifegrads und der klaren Führung weiterhin eine sehr starke Wahl. Wer dagegen immer wieder dasselbe Auto fährt und Veränderungen bei Reifen und Elektronik entschlüsseln möchte, wird von Assetto Corsa EVO eher gepackt.
Wenn du die Auswahl breiter vergleichen möchtest, sieh dir auch den Leitfaden zu den offiziellen Spezifikationen des Logicool G RS50: 8 N·m, PS5- und PC-Kompatibilität sowie den rFactor 2 im Test: Die Stärken des Branchenstandard-Sims aus dem Profi-Bereich, Regen und Vergleich mit iRacing an.
Beim Reifenmodell zählt vor allem die Phase vor dem Rutschen
Was mich beim Fahren besonders überzeugt hat, sind nicht die spektakulären Slides nach dem Überschreiten des Limits, sondern die Informationen auf dem Weg dorthin, wenn der Grip nachlässt. Lenkkraft, Fahrzeugausrichtung und die Bewegung des Hecks auf Gaseingaben verändern sich kontinuierlich. Dadurch lässt sich nach der Fahrt leichter nachvollziehen, weshalb eine Korrektur zu spät kam.
Im Vergleich unter gleichen Bedingungen – GT7 und GR86 auf Suzuka mit vergleichbaren Lenkrädern – wirkte GT7 als Konsolenspiel klarer aufbereitet: Der Fahrzeugzustand ist auch in kurzer Zeit leichter zu erfassen. Assetto Corsa EVO geht stärker in die Richtung, den Prozess abzubilden, in dem sich der Reifen verformt, Last verlagert wird und die Elektronik eingreift. Es geht nicht darum, welches Spiel absolut richtig liegt. GT7 verdichtet die Informationen besser lesbar, während EVO den Verlauf der Veränderung stehen lässt.
Die Umsetzung elektronischer Regelsysteme macht Fahrzeugvergleiche spannend
Beim Vergleich der Fahrmodi des GR86 hat sich gezeigt, dass bereits beim selben Auto die Freiheit und das Sicherheitsgefühl in Kurven mit dem Eingreifen der Systeme variieren. Im normalen Modus arbeiten sie stärker gegen einen Kontrollverlust, während der Sport-Modus den Bereich erweitert, in dem der Fahrer die Fahrzeugbalance selbst gestalten kann. Eindrucksvoll ist, dass dieser Unterschied nicht bloß eine Änderung der Beschleunigungsleistung ist, sondern vom Kurveneingang bis zum Herausbeschleunigen als Fahrverhalten spürbar wird.
Auch beim direkten Vergleich der per Update hinzugefügten Fahrzeuge – NA Roadster, NSX Type R der ersten Generation, Porsche 964 Turbo und Lotus Exige – wird der Anspruch eines Autos nicht allein von seiner Leistung bestimmt. Es gibt Fahrzeuge, die ihr geringes Gewicht nutzen und willig einlenken, Autos, bei denen Lastwechsel am Heck Vorsicht verlangen, und solche, mit denen man sich dem Limit vertrauensvoll nähern kann. Deshalb ist das Freischalten eines neuen Fahrzeugs nicht bloß das Sammeln von Datenwerten, sondern die Erfahrung, eine neue Fahrweise zu lernen.
Die Lenkrad-Einstellungen verändern die Bewertung deutlich
Um das feine Fahrverhalten von Assetto Corsa EVO wahrzunehmen, darf das Force Feedback (FFB) nicht zu stark eingestellt sein. Wer die maximale Leistung der Wheelbase unverändert nutzt, führt normale Kurvenkräfte und die Spitzen beim Überfahren von Curbs in einen ähnlichen Gewichtsbereich. Die Reifensignale gehen dann unter. Zuerst reduziere ich deshalb die Spielausgabe und schaffe einen Zustand ohne Clipping; erst danach passe ich Dämpfung und Streckeneffekte an.
Selbst mit denselben Einstellungen unterscheidet sich das passende Gewicht zwischen einem leichten Roadster und einem Fahrzeug mit hohem Abtrieb. Bevor man für jedes Auto eigene Profile anlegt, ist es für Vergleiche sinnvoller, eine gemeinsame Einstellung zu finden, mit der drei Dinge lesbar bleiben: das natürliche Gefühl um die Mittellage, die Lenkkräfte in der Kurve und der Beginn des Rutschens.
Stärken und Schwächen gegenüber GT7
Die Stärken von Assetto Corsa EVO liegen in den Übergängen von Reifen und Chassis, den Unterschieden elektronischer Regelsysteme sowie den umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten am PC. Weil sich beim Fahrzeugwechsel auch die Bedienung verändert, wird schon die Testfahrt selbst zum Content.
Die Stärken von GT7 sind die klare Führung, die für viele Nutzer sofort zugängliche Abstimmung und der über Jahre aufgebaute Gesamt-Reifegrad als Konsolenspiel. Wer Renn-Events und Fahrzeugsammeln als Gesamtwerk genießen möchte, sollte nicht allein anhand der Feinheiten im Fahrverhalten über besser oder schlechter entscheiden.
Viele meiner EVO-Prüfungen beziehen sich auf einen Entwicklungsstand, dessen Inhalte sich mit jedem Update ändern. Einschätzungen zu Performance, UI und Fahrzeugauswahl gelten daher jeweils zum Zeitpunkt der Videoveröffentlichung. Ebenso wichtig ist es, künftig geplante Funktionen oder Plattformen nicht als bereits heute verfügbare Features zu behandeln.
Für wen es geeignet ist
- Für alle, die dasselbe Auto auf derselben Strecke wiederholt fahren und Setup sowie Fahrweise verfeinern wollen
- Für Fahrer, die Unterschiede bei Elektronik und Reifen über ein Lenkrad spüren möchten
- Für alle, die alte und neue Fahrzeuge direkt vergleichen und Unterschiede in der Fahrweise genießen wollen
- Für PC-Nutzer, die auch die Veränderungen eines noch nicht fertig entwickelten Spiels kontinuierlich prüfen möchten
Für wen es nicht geeignet ist
- Für alle, die direkt nach dem Kauf viele Events und einen vollständig ausgearbeiteten Spielfortschritt erwarten
- Für Fahrer, die ihr Lenkrad gar nicht einstellen wollen und immer dasselbe Fahrgefühl suchen
- Für alle, die künftig geplante Funktionen als sofort nutzbar erwarten
Fazit
Assetto Corsa EVO ist nicht nur ein Spiel, das um die feinste Fahrzeugphysik konkurriert. Es ist ein Simulator, mit dem man beim Fahren verstehen kann, warum sich ein bestimmtes Auto so verhält. Seine Richtung unterscheidet sich von der ausgereiften Zugänglichkeit eines GT7: Je mehr man Einstellungen und Testfahrten wiederholt, desto größer wird sein Wert. Den Entwicklungsstand und die damit verbundenen Veränderungen muss man nüchtern bewerten. Die Darstellung von Fahrzeugunterschieden inklusive Reifen und elektronischer Regelsysteme besitzt aber genug Reiz, um EVO weiter zu verfolgen.