Das CAMMUS C5 ist ein Direct-Drive-(DD)-Lenkrad, das die Annahme, kompakte Hardware müsse zwangsläufig einfach sein, im positiven Sinn widerlegt. Sein größter Vorteil liegt in der ungewöhnlichen Konstruktion mit dem Motor direkt auf der Lenkradseite: So liefert es echtes DD-Feedback auf äußerst kleiner Stellfläche. Bei Bremsgefühl und unterstützten Plattformen muss man allerdings klare Kompromisse akzeptieren. In diesem Artikel ordne ich auf Basis meines Praxistests mit dem Ferrari 296 GT3 in iRacing ein, für wen das C5 geeignet ist.
- 1. Mein Urteil in 30 Sekunden
- 2. Das Besondere am C5: Lenkrad und Motor bilden eine Einheit
- 3. Die größte Stärke im Praxistest: Trotz der Größe gehen DD-Informationen nicht verloren
- 4. Bei den mitgelieferten Pedalen gehen Gas und Bremse unterschiedlich gut auf
- 5. Das solltet ihr bei der Einrichtung unbedingt prüfen
- 6. Für wen es geeignet ist – und für wen nicht
- 7. Fazit
- 8. Video als Grundlage
- 9. Als Nächstes lesen
Mein Urteil in 30 Sekunden
Entscheidend beim C5 ist für mich, dass es nicht nur ein günstiges Komplettset ist: Über das Lenkrad kommen die feinen Informationen eines DD-Antriebs tatsächlich an. Vibrationen beim Überfahren von Kerbs, der Grip der Reifen auf der Fahrbahn und der Moment, in dem das Drehmoment einsetzt, waren direkter spürbar als bei Modellen mit Zahnrad- oder Riemenantrieb. Mit stärkeren DD-Bases kann es bei der absoluten Kraft nicht konkurrieren, doch die in der Praxis nötige Reaktionsgeschwindigkeit und die Fahrbahnrückmeldung sind klar vorhanden.
Damit ist es eine starke Option für alle, die keine große Wheelbase auf dem Schreibtisch unterbringen können, ihre Hardware nach dem Fahren wegräumen wollen oder am PC erstmals auf DD umsteigen möchten. Wer dagegen eine schwere, realitätsnahe Bremse, wechselbare Lenkräder und ein festes Rig für hohes Drehmoment sucht, fährt mit einem höherklassigen Setup von Anfang an besser und vermeidet Umwege.
Wenn ihr weitere Optionen vergleichen möchtet, lest auch den Assetto Corsa EVO Test: Reifenmodell, GT7-Vergleich und Chancen auf eine PS5-Version und den offiziellen Spezifikationsleitfaden zum Logitech G RS50: 8 N·m sowie PS5- und PC-Kompatibilität.
Das Besondere am C5: Lenkrad und Motor bilden eine Einheit
Ein übliches DD-Lenkrad besteht aus einer Wheelbase, die am Tisch oder Rig befestigt wird, und einem austauschbaren Lenkrad. Beim C5 ist dieses Konzept stark vereinfacht: Der Motor sitzt direkt auf der Lenkradseite. Das Gerät ist kompakt genug, um es mit einer Hand zu handhaben; Schaltwippen, Schalter und Drehregler sind ebenfalls integriert. Mit der mitgelieferten Klemme lässt es sich am Tisch befestigen, und auch inklusive Pedalen braucht das Set wenig Stauraum.
Schon beim Auspacken machte es nicht den für günstige Produkte typischen billigen Eindruck. Die Optik mit Metall- und Carbon-ähnlichen Bauteilen, die Anordnung der Bedienelemente sowie der Lieferumfang mit den nötigen Kabeln und Werkzeugen machen es als erstes Komplettset angenehm unkompliziert. Die integrierte Bauweise begrenzt allerdings die Erweiterbarkeit: Ein größerer Lenkradkranz nach persönlicher Vorliebe lässt sich beispielsweise nicht nachrüsten. Kompaktheit und Erweiterbarkeit sind hier ein klarer Zielkonflikt, den ihr vor dem Kauf verstehen solltet.
Die größte Stärke im Praxistest: Trotz der Größe gehen DD-Informationen nicht verloren
Auf dem Nürburgring in iRacing zeigte sich beim C5 das für DD typische, spielfreie Ansprechen besonders bei feinen Kerb-Impulsen und schnellen Richtungswechseln. Besonders auffällig war, dass es nicht einfach nur schwer lenkt: Es vermittelt das gummiartige Gefühl um die Mittellage und den Reifenzustand durch mehrere unterschiedliche Vibrationen. Auch den Übergang zum Untersteuern kann ich über die Hände gut verfolgen. Man bemerkt also nicht erst, dass das Auto nicht mehr einlenkt, sondern spürt die Veränderung bereits auf dem Weg zum Limit.
Der Lenkraddurchmesser ist etwas klein und fühlt sich nicht wie ein üblicher GT-Lenkradkranz an. Für schnelle Lenkbewegungen passt er aber gut; wenn man die Größe eher als kartähnlich akzeptiert, wirkt sie nicht sonderlich fremd. Es ist ein Lenkrad, das die nötigen Informationen leichtfüßig vermittelt, statt die schiere Kraft eines High-Torque-Modells in den Vordergrund zu stellen.
Bei den mitgelieferten Pedalen gehen Gas und Bremse unterschiedlich gut auf
Das Gaspedal hat für ein leichtes Set einen natürlichen Federwiderstand, und auch bei feiner Dosierung der Öffnung hatte ich keine größeren Schwierigkeiten. Die Bremse reagiert dagegen vor allem auf den Pedalweg statt auf die aufgebrachte Kraft; zudem unterscheidet sich ihr Widerstand nur wenig von dem des Gaspedals. Wer an die harte Bremse eines Load-Cell-Pedals gewöhnt ist, wird den anfänglich leichten Druckpunkt erst üben müssen, um die gewünschte Bremswirkung zu treffen.
Eine leichte Bremse ist jedoch nicht grundsätzlich ein Nachteil. Da sich Eingaben schnell erzeugen lassen, kann sie zu Fahrern passen, denen die Reaktionsgeschwindigkeit im Spiel wichtiger ist als die Nachbildung eines echten Autos. Entscheidend ist nicht die pauschale Aussage „kein Load Cell, also langsam“, sondern ob ihr die Pedalposition über den Fuß reproduzierbar treffen könnt. Wenn realistisches Training Priorität hat, solltet ihr ein Pedal-Upgrade in Betracht ziehen. Wenn Rundenzeiten im Vordergrund stehen, ist es sinnvoller, zunächst die Kalibrierung und Eingabekurve sauber einzustellen.
Das solltet ihr bei der Einrichtung unbedingt prüfen
- Ob das Lenkrad vom gewünschten Spiel und eurem PC-System offiziell erkannt wird
- Ob Tischstärke und Klemmbereich der mitgelieferten Halterung zusammenpassen
- Ob ihr die Pedale so aufstellen könnt, dass sie beim Treten nicht verrutschen
- Ob die spezielle Software und die Geräte-Firmware aktualisiert sind
- Ob nach der Kalibrierung Mittelstellung und Maximaleingabe korrekt stimmen
Zum Zeitpunkt meines Video-Tests war das Produkt für die PlayStation als Haupteinsatzgebiet unpraktisch und für mich klar ein PC-Lenkrad. Der Support-Status kann sich ändern; prüft deshalb beim Kauf die aktuellen Herstellerangaben. Wer auf inoffizielle Adapter setzt, muss eher mit Problemen bei Verbindungsstabilität und der Kompatibilität mit Updates rechnen.
Für wen es geeignet ist – und für wen nicht
Geeignet ist es für PC-Spieler, die wenig Platz benötigen, von einem Zahnrad- oder Riemenantrieb auf DD wechseln möchten oder ihr Setup nach dem Fahren einfach wegräumen wollen. Auch für den besonderen Einsatzzweck, Hardware etwa auf Reisen mitzunehmen, bietet diese integrierte Konstruktion einen klaren Vorteil.
Nicht geeignet ist es für Fahrer, die verschiedene große Lenkradkränze nutzen möchten, von Beginn an eine Bremse mit hoher Pedalkraft erwarten oder bereits ein festes Rig für starkes FFB besitzen und ihr Zubehör künftig innerhalb eines gemeinsamen Ökosystems erweitern möchten.
Fazit
Das CAMMUS C5 ist kein Alleskönner, der eine höherklassige DD-Base einfach in kleiner Form nachbildet. Sein eigener Wert liegt aber darin, DD-Reaktionen als Komplettset bereitzustellen, ohne das bei platzsparender Hardware oft schwammige Lenkgefühl in Kauf nehmen zu müssen. Mein Fazit nach dem Praxiseinsatz: Der Lenkradteil ist besser als erwartet, die mitgelieferte Bremse hängt stark vom Einsatzzweck ab. Wenn ihr seine Schwächen versteht und bewusst akzeptiert, ist es ein äußerst interessantes Einstiegsmodell für ein Sim-Racing-Setup am Schreibtisch.